Rekordjagd beim Öl - Wann kommt die Zeit zum Gegenhalten?
18.04.2008 - 09:01 Der Ölpreis klettert unaufhaltsam weiter. Nach dem erst Anfang dieses Jahres zum ersten Mal überhaupt die Schwelle von 100 Dollar für ein Barrel Rohöl überschritten wurde, sind dreistellige Notierungen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Gestern wurde die Marke von 115 Dollar erreicht und Analysten haben längst die nächsten Zielmarken ins Visier genommen. Angesichts immer neuer Anlagegelder, die in die Warenmärkte fließen, gilt ein kurzfristiger Sprung bis auf 120 oder sogar 130 Dollar als nicht mehr ausgeschlossen.
Doch mit jedem Dollar, um den die Kurse anziehen, wächst die Gefahr deutlicher Rückschläge. In vielen Segmenten des Rohstoffmarktes seien die Preise mittlerweile auf ein Niveau geklettert, dass sich nicht mehr mit den Entwicklungen der Realwirtschaft erklären lasse, mahnen etwa die Analysten der Credit Suisse, die vor allem bei Öl hohe Rückschlagrisiken ausmachen. Bis zum Ende des zweiten Quartals könne der Ölpreis bis in einen Bereich von 85 Dollar zurückfallen, warnt Credit-Suisse-Stratege Tobias Merath in einer aktuellen Studie.
Und tatsächlich liefern die vergangenen Wochen zahlreiche Beispiele dafür, wie schnell Kursübertreibungen in den überhitzten Warenmärkten korrigiert werden. Der Goldpreis sackte Mitte März binnen weniger Tage von über 1000 bis auf 900 Dollar je Feinunze ab. Beim Weizenpreis fiel der Rückschlag noch stärker aus. Hier ging es seit den Rekordständen vor einem Monat um mehr als 30 Prozent nach unten.
Am Ölmarkt steht die von vielen Analysten erwartete Preiskorrektur indes noch aus. Ob und wann sie kommt ist allerdings ungewiss, weswegen Anleger bei einer möglichen Spekulation gegen den Markt mit Bedacht vorgehen sollten. Eine vergleichsweise defensive Möglichkeit, um auf einen Rückgang des Ölpreises zu setzen bieten Turbozertifikate und Knock-Out-Papiere mit sehr hoch angesetzten Stopp-Marken. So wie ein bei der Société Générale angebotener Open-End-Short-Turbo mit Basispreis bei derzeit noch weit entfernten 168,42 Dollar (WKN: SG5FZC). Das Papier bezieht sich auf den Kurs des Nordseeöls Brent, wobei allerdings nicht der sogenannte Spot-Kurs für die sofortige Lieferung herangezogen wird, sondern der des nächstfälligen Liefertermins im Futurehandel. Der Preis des Zertifikats entspricht dabei immer der in Euro umgerechneten Differenz zwischen dem Basispreis und dem aktuellen Futurekurs. Denn da sowohl der Basispreis als auch der Ölpreis in Dollar ausgewiesen werden, muss zur Ermittlung des Zertifikatewertes immer auch der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar berücksichtigt werden. Aus Anlegersicht ergeben sich daraus aber unter Umständen sogar zusätzliche Chancen. Denn da der Preisanstieg beim Öl in den vergangenen Wochen mit einem Wertverfall des Dollar einherging, und zum Teil sogar explizit mit der Dollarschwäche begründet wird, könnte eine Trendumkehr jetzt bei den Hebelpapieren gleich doppelt positiv wirken.
Das gilt auch für spekulativere Papiere wie in nur bis Juni dieses Jahres laufendes Short-Papier der Dresdner Bank mit Basis bei 125 Dollar (WKN: DR06MV). Die Hebelwirkung mit der dieses Papier auf Änderungen des Ölpreises reagiert ist mehr als vier mal so stark wie bei dem defensiven Turbo der Société Générale. Dafür laufen Anleger hier allerdings auch Gefahr bei der nächsten Zwischenrallye am Ölmarkt ausgestoppt zu werden: Sobald der Brent-Future ein einziges Mal über 125 Dollar ansteigt, ist der komplette Einsatz verloren und das Papier wird von einem Moment zum anderen wertlos.
copyright Finanztreff.de 18.04.08
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